Warum die Oktoberwärme ?

Derzeit macht ja der Monat Oktober gewaltig von sich reden. Er ist golden aber auch sehr warm und trocken. Pegelstände der Flüsse und Seen nähern sich mehr und mehr Rekordniedrigständen. Wieso ist das eigentlich so ?

 

Schuld an der eigentlichen Situation ist die Grosswetterlage. Bei dieser Grosswetterlage verläuft der Polarjet derzeit etwas anders als wie man es gewohnt ist.

 

 

Der Jetstream ist ein Starkwindband in ca. 8 bis 10 km Höhe und wird auch Polarjet genannt. Er wird ab einer Geschwindigkeit von 65 Knoten ( ca. 120 km/h ) definiert. Der Jetstream lenkt die Strömungen und die Zugbahnen der bodennahen Druckgebiete. Nun hat sich jedoch eine Wetterlage etabliert der den Jetstream immer wieder vor dem europäischen Kontinent nordwärts ablenkt. Dieses sorgt für ein beständiges blickierendes Hochdruckgebiet über Osteuropa. Normalerweise gibt es oftmals blockierende Hochs über dem Ostatlantik und den britischen Inseln die bei uns für eine wechselhafte Nordströmung sorgen aber diesmal zeigt sich das Hoch über Osteuropa das mit in die höchsten Höhen nachweisbar ist. Dadurch wird der Jetstream so abgelenkt das es atlantische Tiefs oder deren Ausläufer kaum nach Mitteleuropa durchkommen.

Satellitenbild
hochaufgelösstes Satellitenbild mit Fronten und Druckgebieten

Das blockierende Hochdruckgebiet ist auf dem Satellitenbild gut zu sehen. Selbst ehemalige Hurricanes schaffen es nicht die blockierende Situation zu durchbrechen und somit verbleibt Europa unter dem Einfluss dieses Hochs. Zwischen dem Hoch und den Tiefdruckgebieten sorgt eine beständige südliche Strömung für Nachschub der warmen Luftmasse und kontinuierliches Absinken für die derzeitigen Wolkenarmut. Dieses hat dementsprechend den Nachteil das es weiterhin bei uns viel zu trocken ist und das Niederschlagsdefizit sich weiter vergrössert zum Leidwesen der Landwirtschaft oder der Binnenschifffahrt.

 

Auch in den Folgetagen wird sich an dieser Wettersituation kaum was ändern. Ab der Wochenmitte könnte dann aber Bewegung in die Situation kommen denn nach den Willen mancher Wettermodelle soll das Hoch südostwärts abwandern. Dadurch würde die blockierende Hochdruckphase zu Ende gehen und die atlantischen Tiefs könnten zu uns voirdringen mit Wolken, kühleren Temperaturen und Niederschlag. Die Mittelfrist zeigt jedoch den Aufbau eines neuen Hochs bzw. einer Hochdruckbrücke die genau über Mitteleuropa verläuft. Somit stehen die Chancen auf durchgreifende Niederschlagsmengen weiterhin schlecht.

Ist es der Klimawandel ?

Diese Frage zu beantworten ist leichter gesagt als getan. Klima umfasst einen Zeitraum von vielen Jahren oder Jahrzehnten während Wetter ein eher kurzeitiges Ereigniss darstellt. Anomalien hat es beim Wetter schon immer gegeben was viele wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben. Jedoch kann man eine Verringerung der Polkappen nicht leugnen. Dieses führt zu einer Aussüßung des Atlantik was sich irgendwann eventuell beim Abschwächen des Golfstroms bemerkbar machen könnte. Dieses hätte aber für uns andere Folgen. Der Golfstrom sorgt in Mitteleuropa für das gemäßigte Klima. Ohne den Golfstrom gäbe es sehr strenge Winter und kühle Sommer. Zudem sorgt eine Erwärmung des Klimas über dem Nordpol bzw. der Arktis dafür das sich die sonst so typischen Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd abschwächen. Diese sind aber ein Motor des Jetstreams der dementsprechend sich mehr und mehr abschwächen könnte. Langanhaltende Wetterphasen wie Hochdruckwetter aber auch Tiefdruckwetter können dann zur Regel werden mit zum einen wochenlangen Trockenphasen oder tagelangen Regenfällen mit Überflutungen.

 

In unserem Fall aber liegt es am Verlauf des Jetstreams der für die langanhaltende Strömungsarmut und den langanhaltenden Hochdruckphasen verantwortlich ist. Ob sich das ändert bleibt abzuwarten. Allerdings sieht es nicht nach grossen Regenmengen in den kommenden Tagen aus. Das europäische Modell zur mittelfristigen Vorhersage ECMWF zeigt auch in den kommenden 10 Tagen keinen bis nur sehr geringen Niederschlag an.

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